Ausblick Heft 182

Hochstapelei, Betrug und andere Künste

Was erzählt das Phänomen der »Hochstapelei« über unsere Gesellschaft? Fördert der Kapitalismus die Hochstapelei, weil wir uns andauernd präsentieren, vermarkten, verkaufen müssen – und uns deshalb als schöner, erfolgreicher, bedeutsamer darstellen, als wir sind?
Denn Hochstapelei begegnet uns überall: Vom Insta­gram­-Filter bis zum geschönten Lebenslauf, und die Grenze zwischen Hochstapelei und Betrug, so scheint es, ist dabei fließend.
Doch während “Betrug” als Straftatbestand klar definiert
ist, ist “Hochstapelei” ein Phänomen, das noch mit andere Bedeutungen aufgeladen ist: Hochstapler*innen agieren auch als psychomentale Robin Hoods, weil sie häufig soziale Ungleichheiten offenlegen. Kann denn jemand nicht auch eine gute Ärztin sein, ohne fertig studiert zu haben? Oder: Was ist denn so schlimm an jemandem, der den Superreichen mit absurden Gewinnversprechen das Geld aus der Tasche zieht?
Ein besonderes Augenmerk legt Hochstapelei, Betrug und andere Künste dabei auf die Welt der Kunst, deren toxische Mixtur aus hohen Renditeerwartungen, immer wieder proklamierten immateriellen Werten und Jet­-Set-­Allüren die Lebenslügen der Gegenwart zu verdichten scheinen. Oder anders gesagt: Sind nicht Künstler*innen auch Hoch­stapler*innen, und Hochstapelei die wahre Kunstform der Gegenwart? Ausgabe 182 von Ästhetik und Kommunikation unternimmt eine Reise in die Welt von Wolfgang Beltracchi, Jay Gatsby und Anna Sorokin, und umkreist dabei ein Phänomen, von dem wir immer nur die Ränder entdecken: Denn die wirklich erfolgreichen Hochstaplerinnen geben sich ja niemals als solche zu erkennen …

Ein Projekt von Ä&K mit Friedrich von Borries und Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Ausgabe 180/181 November 2020: Werbung

50 Jahre Ästhetik & Kommunikation: Wir bedanken uns bei Fons Hickmann, Olivier Bucher und Philip Jursch vom Atelier M23 für das neue Heft-Layout! Mit neuer Rubrizierung fangen wir neu an, weiterzumachen. Für Nostalgiker gibt es eine Cover-Retrospektive auf unserem Instagram-Account. Ein halbes Jahrhundert Ästhetik & Kommunikation – und dazu Schwerpunkt Werbung? Bricht der Titel nach der langen Zeit nun auseinander – hier das ästhetische Empfinden und kritische Räsonnement der Kunst und da drüben das schmutzige Geschäft mit der Kommunikation?
Als PDF-Download stehen hier schon mal bereit: Das Inhaltsverzeichnis, das Editorial und das Cover. Das Heft ist für 20 € im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-9822591-0-9) oder kann bei uns bestellt werden.