Hochstapelei, Betrug und andere Künste

Was erzählt das Phänomen der »Hochstapelei« über unsere Gesellschaft? Fördert der Kapitalismus die Hochstapelei, weil wir uns andauernd präsentieren, vermarkten, verkaufen müssen – und uns deshalb als schöner, erfolgreicher, bedeutsamer darstellen, als wir sind?
Denn Hochstapelei begegnet uns überall: Vom Insta­gram­-Filter bis zum geschönten Lebenslauf, und die Grenze zwischen Hochstapelei und Betrug, so scheint es, ist dabei fließend.
Doch während „Betrug“ als Straftatbestand klar definiert
ist, ist „Hochstapelei“ ein Phänomen, das noch mit andere Bedeutungen aufgeladen ist: Hochstapler*innen agieren auch als psychomentale Robin Hoods, weil sie häufig soziale Ungleichheiten offenlegen. Kann denn jemand nicht auch eine gute Ärztin sein, ohne fertig studiert zu haben? Oder: Was ist denn so schlimm an jemandem, der den Superreichen mit absurden Gewinnversprechen das Geld aus der Tasche zieht?
Ein besonderes Augenmerk legt Hochstapelei, Betrug und andere Künste dabei auf die Welt der Kunst, deren toxische Mixtur aus hohen Renditeerwartungen, immer wieder proklamierten immateriellen Werten und Jet­-Set-­Allüren die Lebenslügen der Gegenwart zu verdichten scheinen. Oder anders gesagt: Sind nicht Künstler*innen auch Hoch­stapler*innen, und Hochstapelei die wahre Kunstform der Gegenwart? Ausgabe 182 von Ästhetik und Kommunikation unternimmt eine Reise in die Welt von Wolfgang Beltracchi, Jay Gatsby und Anna Sorokin, und umkreist dabei ein Phänomen, von dem wir immer nur die Ränder entdecken: Denn die wirklich erfolgreichen Hochstaplerinnen geben sich ja niemals als solche zu erkennen …

Ein Projekt von Ä&K mit Friedrich von Borries und Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg.